Sonntagmorgen-Gesicht Nr. 5

Pfingstfest – mittendrin – trotz Abstand.

Ein Text zu “Hoffen und Bangen” von Maike:

Mein Bangen lässt mich Innehalten
ein einfach so Weitermachen ist nicht möglich.

Meine Angst wird zur Vorsicht
einen Sturz in die Tiefe verhindert sie.

Mein Bangen zwingt mich Hinzusehen
ein Wegsehen erlaubt es nicht.

Meine Furcht kann mich lähmen
doch ich habe es in meiner Hand.

  • mitten drin

Mein Hoffen lenkt meine Gedanken
eine Idee lässt es wachsen.

Meine Zuversicht wird zum Antrieb
eine Lebendigkeit macht sie möglich.

Mein Hoffen schenkt mir Mut
ein Verzagen schließt es aus.

Meine Begeisterung kann mich haltlos machen
doch ich habe es in meiner Hand.

  • mitten drin

Hoffen und Bangen
beides ist da
beides ist richtig
und so ist mein Leben – mitten drin im Auf und Ab.

Sonntagmorgen-Gesicht Nr. 4

Kirchgang am Karfreitag in Zeiten der Pandemie

“Ich hatte gehofft, dass die Kirche offen ist.
Ich möchte eine Kerze anzünden, ein Gebet sprechen.
Ich brauche den Raum.”

“Eigentlich kann ich auch gut allein sein.
Aber jetzt nach so langer Zeit fehlen mir die Kontakte,
die Gespräche,
das gemeinsame Singen und der Austausch von Gedanken –
mir fehlt der Gottesdienst und die Gemeinde.”

Heute
am Karfreitag
fragen warten hoffen
durchkreuze die lähmende Stunden
Liebe

Farben für die Seele

Rituale der letzen Tage:
morgens, abends Nachrichten hören, live-blog Corona lesen,
Telefonkonferenzen verabreden, Zoom-Videokonferenzen üben,
(meinen digitalen Analphabetismus überwinden)
Neue Verordnungen, Briefe der Landeskirche.
Ist alles bedacht? Geregelt?
Wohl kaum – die Situation ist uns allen neu.

Sorgen, Ängste, Unsicherheiten.
Panikmache, Beschwichtigungen, Verschwörungstheorien – alles begegnet mir.

Wir setzen die Bretter in den Boden. Rund um die Kirche.
Seelenbretter “Zwischen Hoffen und Bangen”
Der Hoffnung Worte und Farbe geben.

Das tut gut.

“Wir werden das schaffen.”

“Wir werden das schaffen.”
Ich bin überrascht von dem Satz und der Festigkeit, mit der eine Nachbarin – Ü 80, Risikogruppe – ihn sagt. Hat etwas tröstliches, in diesen Tagen – in denen morgen schon wieder alles anders ist, als das, was man heute geplant hat.

Unbequem, anstrengend – ja, auch beunruhigend sind diese Tage.
Aber den Schrecken von Corona haben wir hier in Deutschland noch gar nicht gespürt. So denke ich, wenn ich Bilder aus Italien und Spanien sehe.

…. Da kann man nichts machen – gut, wenn man was machen kann ….. Die Fülle an Texten, Predigten, Ansprachen – unser kirchlicher Versuch, den Schrecken “zu händeln”, handhabbar zu machen?
Mir ist schon klar – das ist nur eine Facette.
Die andere: es ist wichtig und gut, gerade jetzt miteinander in Kontakt zu bleiben, (neue Formen zu suchen), sich Worte des Mutes zuzusprechen.

“Wir werden das schaffen.”
Wieviel wird uns dieser Satz noch abverlangen?

Strange

Seltsame Tage.
Einige Momente lang ein leichtes Sonntagnachmittags-Gefühl in der Sonne.
Ein paar Spaziergänger auf der Brücke.
Es fehlt nur noch das Eis auf der Hand.

Dann wieder eine fast ausgestorbene Geisterstadt.
Leere Straßen. Die Geschäfte geschlossen.

Ich bekomme eine Ahnung, dass die nächsten Wochen schwierig werden können.
Ich mache zwei Telefonate, – einfach so, mal hören wie’s geht.
Freude am anderen Ende.

Italien – 600 Tote binnen eines Tages.
Corona bekommt ein grässliches Gesicht.

Die Losung für den heutigen Tag lautet:
” Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit…” Psalm 27,5

… wie dich selbst

Wir sind / Ich bin nicht geübt in Zeiten wie diesen.
Darum fühlen sich die Gedanken, Entscheidungen und Fragen
dieser Tage so fremd und merkwürdig an.
Bagatellisiere ich? Dramatisiere ich?

Vieles wird in diesen Tagen angeordnet und behördlich geregelt.
Was ist sonst noch zu tun?

Vielleicht so viel:
Achte auf dich selbst und ermutige andere, es auch zu tun!
Summe dein Lieblingslied beim Händewaschen.
Erfinde neue, sichere Wege, um “Hallo” und “Auf Wiedersehen” zu sagen.
Stoppe einen Moment an der offenen Tür der Kollegin.
Pflege die Kunst, ein, zwei Anrufe zu machen,
bei denen, die isoliert, besorgt und verängstigt sind.
Sende einen extra Gruß an einen älteren Menschen,
der dir einfällt.

Eigentlich…

Eine Bildkarte für die Fastenaktion „7 Wochen anders leben.“
(vom Verlag “Andere Zeiten”)

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“

Merkwürdig. Was hat dieses Bild mit Fasten zu tun?
Mit Besinnung in der Passionszeit?
Das kleine Tier auf der Karte ist ein Zwiesel, so habe ich gelernt.

Wunderschön,
wie dieses Zwiesel im Schnuppern der Blume versinkt.
Ganz im Hier und Jetzt.
Die Augen geschlossen.
Ohne Angst vor Gefahr.
Jetzt ist nur diese Blume wichtig. Der wunderbare Duft.
What a wonderful world.

„Eigentlich bin ich ganz anders.“
Stimmt das?
Bin ich eigentlich ganz anders?
Oder bin ich so, wie ich eben bin, –
in meinen verschiedenen Rollen,
in der Schule, oder unter Freunden, bei Nachbarn,
in der Gemeinde,
zuhause in der Familie oder alleine.

Bin ich noch mehr, als das, was ich in verschiedenen Rollen lebe?
Was ruht in mir?
Was kriegt keine Stimme, bekommt keine Zeit,
oder bleibt bewußt unterm Deckel?
Was will “gelebt werden?”
Das wäre eine Frage…

Und das Tierchen auf der Bildkarte lauscht dem vielleicht gerade nach.
Ganz sehnsüchtig.

Fastenzeit hieße dann:
Mein “Eigentliches” atmen und klingen lassen
Zeit haben fürs Schnuppern, Lauschen,
Nach-sinnen, Aufspüren und freundlich in den Blick nehmen:
die Welt um mich herum und in mir selbst.

Was ist mir zu eigen?
Wie hat Gott mich – eigentlich – gemeint?
Wie bin ich denn von Gott gedacht?
Als Ebenbild, als Kind Gottes.

7 Wochen anders leben.
Zeit nehmen fürs Schnuppern und Lauschen.
Die neue Welt ahnen.
Der Sehnsucht Raum geben.
7 Wochen – denn ich komme sonst so selten dazu.

Mitten drin – zwischen Hoffen und Bangen

Das Thema für den 4. workshop “Seelenbretter malen” –
21 Bretter zu Hoffnung trotz oder in Angst und Trauer.
Intensives und schönes Arbeiten.

Dazu ein Gedicht von Hilde Domin:

“Nicht müde werden,
sondern dem Wunder – leise –
wie einem Vogel
die Hand hinhalten”

Es bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei –
aber am Größten ist die Liebe unter ihnen.” 1. Korinther 13